VON: ALI ERTAN TOPRAK
Die Alevitische Gemeinde Deutschland gedenkt im 15. Jahr den Opfern des Brandanschlags von Solingen.
"Entschieden gegen fremdenfeindlich und rassistisch motivierte Straftaten vorgehen"
Bei dem Anschlag hatten vier junge Anhänger der Solinger Neonazi-Szene das Haus der Familie Genc in Brand gesteckt. Fünf türkische Mädchen und Frauen zwischen 4 und 27 Jahren starben dadurch. 14 Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie noch heute unter den Folgen leiden. Die Täter wurden zu Haftstrafen von 10 und 15 Jahren verurteilt und sind inzwischen alle wieder auf freiem Fuß.
Der Brand vor 15 Jahren war nicht nur ein rassistischer Anschlag auf türkeistämmige Menschen, sondern auch ein Anschlag auf Deutschland und die Werte des Grundgesetzes. Wir dürfen es nicht zulassen, dass einige wenige durch ihre fremdenfeindliche und rassistische Einstellung und ihren Fanatismus die Gesellschaft spalten.
Der Anschlag hat tiefe Spuren der Verunsicherung in der türkeistämmigen Bevölkerung hinterlassen. Zugleich ist er stete Mahnung, dass wir nicht nachlassen dürfen, uns für unsere freiheitliche demokratische Gesellschaft und das Zusammenleben in Vielfalt und Respekt einzusetzen.
Der Tag hat den Menschen vor Augen geführt, dass unser Zusammenleben ganz wesentlich auf Toleranz, Respekt, Solidarität und Engagement für die gemeinsame Sache gründet, und das gilt für alle, unabhängig von Herkunft, Religion oder Staatszugehörigkeit.
Wir müssen entschieden gegen fremdenfeindlich und rassistisch motivierte Straftaten vorgehen und jeden Verdacht unbedingt ernst nehmen. In Deutschland darf es keine Gegenden geben, die einzelne Menschen aus Sicherheitsgründen besser meiden sollten.
Mit Blick auf die Brandkatastrophe im Februar in Ludwigshafen müssen wir uns jedoch vor Unterstellungen und vorschnellen Schlussfolgerungen hüten, da sie zusätzliches Misstrauen und Ängste schüren.
Die deutsche Mehrheitsgesellschaft und der Staat müssen den Zuwanderern Anerkennung entgegenbringen und sie als Teil ihres Landes ansehen. Integration ist für Zuwanderer wie auch für die Aufnahmegesellschaft eine Chance, zu dem, was man schon hat, etwas Neues hinzuzugewinnen. Dies muss die deutsche Mehrheitsgesellschaft erkennen und schätzen lernen.
Deutschland ist die gemeinsame Heimat aller Menschen, die hier leben und arbeiten. Wir müssen zusammenstehen, wo andere trennen wollen, und gemeinsam handeln, wo andere spalten wollen.
Es ist beispielhaft, dass sich die Opferfamilie Genc trotz ihres großen Verlustes nicht von der deutschen Gesellschaft abgewandt hat und auf Versöhnung und nicht auf Hass bedacht ist. Insbesondere die Mutter der türkischen Familie, Mevlüde Genc, die zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte bei dem Brand verloren hatte, setzte sich nach dem Anschlag immer wieder für ein friedliches Miteinander von Türken und Deutschen ein. Die Familie Genc steht mit ihrer Haltung für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft und für eine Haltung der Versöhnung.
Die Alevitische Gemeinde Deutschland verbeugt sich vor der Größe der Familie Genc mit diesem schrecklichen Ereignis umzugehen und bekundet hiermit ihre Solidarität mit der Familie Genc.
Alevitische Gemeinde deutschland