Wissenswertes zum Alevitentum haben einen festen Platz in der Schulbuchreihe „Interreligiös-dialogisches Lernen“

Unter der Bezeichnung „Religionsunterricht für Alle“ (RUFA) werden im Hamburger-Konzept alle Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Religionen in Hamburg gemeinsam unterrichtet. Insbesondere für den interreligiösen Dialog und für das friedliche Miteinander ist dies vorbildhaft. Schülerinnen und Schüler mit christlichem Hintergrund erfahren so Glaubensinhalte über die anderen Religionsgemeinschaften wie die Juden, Muslime, Buddhisten, Hindus und  auch Aleviten, so wie auch anderes herum.

Um die Lehrerinnen und Lehrer auf diese besondere Unterrichtssituation vorzubereiten, entstand die Schulbuchreihe „Interreligiös-dialogisches Lernen“ und damit einhergehend eine Didaktik und Methodik für interreligiöses Lernen. Die Unterrichtsmaterialien für den RUFA werden von Lehrkräften der verschiedenen Religionsgemeinschaften erstellt. Melek Yıldız, Religionslehrerin und Vorstandsmitglied der Alevitischen Gemeinde Deutschland, hatte die große Ehre die alevitische Perspektive einzubringen. So arbeitete sie gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Buddhismus, des Christentums, des Hinduismus, des Islams und des Judentums diese interreligiöse Lehrbuchreihe aus. Bereits zwei Bücher (Band 1 „Wer bin ich? – Wer bist du?“ und Band 6 „glauben, vertrauen, zweifeln“) sind bereits erschienen.  Drei neue Bänder erweitern nun das Angebot:

Sterben und Tod – Was wird einmal sein?

Kinder begegnen Sterben und Tod auf vielfältige Weise. Sie haben Ängste und sind neugierig, haben dazu Fragen und häufig eigene Antworten. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ist der Tod Ende oder Anfang? Solche Fragen stoßen die Bilder und Texte des 2. Bandes Sterben und Tod – Was wird einmal sein? bei den Kindern gezielt an. Danach entdecken sie in den „Schatzkisten der Religionen“ Antworten in Form von Geschichten, Hoffnungsworten und Bildern. Zum Schluss lenkt das Buch den Blick der Kinder auf die Freude am Leben.

Beispielsweise erzählt Mert-Can in einem Brief über den Tod seiner Oma:

Liebe Kinder,

ich kann mich noch genau  an den Tag erinnern, als meine liebe Oma Gülizar gestorben ist. Sie war schon lange krank. Wir saßen am Frühstückstisch, Mama, Papa, meine kleine Schwester Mira und ich, als das Telefon klingelte. Es war das Krankenhaus. Sie sagten, dass Oma gestorben sei. Mama fing an zu weinen und Papa tröstete sie. Papa hat in der Alevitischen Gemeinde angerufen und Cemile Ana Bescheid gegeben. Cemile Ana ist unsere Geistliche.   […]

Ich, du, wir – Fragen nach der Identität und Religion

Die Frage nach dem „Ich“ ist für Jugendliche von besonderer Bedeutung. Sie finden sich in einer Umbruchphase, stellen bisherige Sicherheiten infrage und verorten sich und ihr Leben neu. Die Unterrichtsmaterialien in Band 7 Ich, du, wir –Fragen nach der Identität und Religion regen an, Fähigkeiten und Talente zu entdecken, das Wechselspiel zwischen Einzelnen und Gruppen wahrzunehmen und über die Bedeutung religiöser Anschauungen ins Gespräch zu kommen.

Die Alevitische Identität ist genauso wie die alevitische Lehre dynamisch. Die Identifizierungen wandeln sich sehr stark in der gesellschaftlichen Entwicklung und Geschichte und daher muss die Frage nach der alevitischen Identität im zeitlichen Kontext immer wieder neu und von jedem individuell beantwortet werden. Hierbei verantwortet jede Person ihre Identität selbst, weil im Alevitentum die Selbstverantwortung groß geschrieben wird. Das vielfältige Material eröffnet Denkräume und regt zu Diskussionen und Austausch an. So trägt es zur Entwicklung der Jugendlichen bei. Im Material findet sich u. a. Interviews von Jugendlichen, in denen sie ihr Alevitisch-sein definieren. Neben alevitischen Aussprüchen wie „Gott ist im Menschen, der Mensch ist in Gott. Was du auch suchst, findest du im Menschen“ von Aşık Daimi findet man auch das Lied „Meine Kaaba ist der Mensch“ von Ruhi Su mit Schüleraufgaben.

Räume und Orte der Religionen entdecken

Die „heiligen Orte“ der Religionen und ihre Geschichten erzählen vom Glauben und der Hoffnung der Menschen. In den Bauten und Räumen, die die Religionen hervorgebracht haben, spiegelt sich alles was ihnen wichtig ist. Um diese Orte und Räume mit ihrer Symbolik, ihren Geschichten und Traditionen lebendig werden zu lassen bietet Band 3  „Räume und Orte der Religionen entdecken“  der Schulreihe „Interreligiös-dialogisches Lernen“ reichhaltiges Material, von der Stationsarbeit mit Blick auf die Religionen weltweit bis zu Erkundungen in der näheren Umgebung. In diesem Band geht es u.a. um Geschichten aus dem Alevitentum. Beispielsweise wird das Cem-Haus und seine Bedeutung im Alevitentum erklärt. Auch werden Geschichten von Berg, Wasser, Ort und Licht erzählt, beispielsweise wie der Berg Düzgün Baba zu seinem Namen kam:

Kurres Baba wohnte mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Zeve. Er besaß viele Tiere und sein jüngster Sohn Sa Heyder kümmerte sich als Hirte liebevoll tagein, tagaus um die Herde, die stets wohlgenährt war. An einem Wintertag wurde der Vater neugierig und fragte sich: Was gibt mein Sohn der Herde zu essen, dass die Tiere trotz des wenigen Grases, immer so wohlgenährt und satt sind?  […]

Die Bücher werden von der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg, das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg und das Pädagogisch-Theologische Institut der Nordkirche herausgegeben.

Sie können die Bücher direkt hier bestellen:

http://www.oldenbourg.de/osv/reihe/r-7708/ra-10726/titel/9783060655106

http://www.oldenbourg.de/osv/reihe/r-7708/ra-10725/titel/9783060655144

http://www.oldenbourg.de/osv/reihe/r-7708/ra-10726/titel/9783060655151

 

Oder auf unserer nächsten Vollversammlung im April am Buchstand erwerben.

 

Für Fragen:
Melek Yıldız (stellv. Generalsekretärin)
E-Mail: melek.yildiz@alevi.com