Institut für Alevitische Studien

Es besteht bisher nirgendwo auf der Welt eine universitäre Institution, die das Alevitentum zum Lehr- und Forschungsgegenstand hat. Ein Institut für Alevitische Studien wäre weltweit einmalig und würde Studierende aus ganz Deutschland, der Türkei und anderen Ländern anziehen. Es wäre auch ein klares Signal in der Integrations- und Wissenschaftspolitik Deutschlands: Die plurale Gesellschaft muss sich auch an den Universitäten und in ihrem Angebot widerspiegeln.

Für die Entwicklung und Gründung eines Instituts hat die AABF Anfang April 2011 eine sehr erfolgreiche und konstruktive erste Sitzung einer wissenschaftlichen Beratungskommission veranstaltet. Die AABF hatte dazu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen, die sich in Lehre und Forschung mit dem Alevitentum auseinandersetzen. Dazu kamen evangelische und katholische Theologieprofessoren aus Köln, Vertreter des Geistlichenrats der AABF sowie Vorstandsmitglieder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat mit der Anschubfinanzierung der Zentren für Islamische Studien ein wichtiges Zeichen in der zeitgemäßen Integrationspolitik gesetzt.

Eine solche Anschubfinanzierung wird auch für ein universitäres Institut für Alevitische Studien angestrebt, um die Ausbildung von alevitischen Lehrerinnen und Lehrern, Geistlichen und wissenschaftlichem Nachwuchs an deutschen Universitäten zu etablieren.

Ziel ist es, eine in die Universität voll eingegliederte Institution zu schaffen, die das Alevitentum in Forschung und Lehre kompetent vertritt. Die Einrichtung soll einerseits eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Alevitentum fördern und die akademische Selbstreflexion der Alevitinnen und Aleviten stärken. Andererseits sollen in mehreren Schritten Studiengänge zur Ausbildung von Lehrkräften, religiösem Personal und wissenschaftlichem Nachwuchs aufgebaut werden. Parallel zur dringend notwendigen Lehre müssen Forschung und Quellenarbeit schnellstmöglich begonnen werden, da das Alevitentum in der Wissenschaft bisher nur rudimentär gelehrt und erforscht worden ist. Dieser Forschungsrückstand muss behoben werden.

Einrichtung von drei Studiengängen und einer Dokumentationsstelle:
Alevitische Religionslehre – Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern
Alevitische Studien – Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Lehre und Forschung
Alevitische Studien für Geistliche – Aus und Weiterbildung von alevitischen Geistlichen (Anas/Dedes)
Einrichtung einer Dokumentationsstelle

Das Institut für Alevitische Studien sollte zwei gleichermaßen gewichtige Schwerpunkte haben: Einerseits steht die Religionspädagogik und die damit verbundene Ausbildung in alevitischer Glaubenslehre und Glaubenspraxis, alevitischer Religions- und Kulturgeschichte für angehende Lehrkräfte und Geistliche im Fokus. Studierende des Studiengangs „Alevitische Religionslehre“ sollen grundlegende Kenntnisse in diesen Bereichen erwerben sowie sich die philologischen Grundlagen für den alevitischen Religionsunterricht aneignen.

Ebenso wichtig ist die grundlegende Erforschung des Alevitentums. Für diese Aufgabe wäre der Aufbau eines dritten Studiengangs wünschenswert, in dem ein Schwerpunkt auf der kulturwissenschaftlichen Durchdringung des Forschungsgegenstands liegt. Das Institut muss sich darüber hinaus der kulturgeschichtlich hochbedeutenden und herausfordernden Aufgabe schnellstmöglich stellen, alevitische Quellen und Dokumente sowie diverse Überlieferungen (z.B. Gedichte der Aşık, Buyruk-Handschriften) zu sammeln. Daraufhin müssen sie beschrieben, teilweise übersetzt, nach wissenschaftlich-quellenkritischen Standards ediert und nach konservatorischen Maßstäben archiviert werden.

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