Informieren – Handeln – Verändern

An der von internationalen Menschenrechtsorganisationen wie auch dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gleichermaßen verurteilten Staatspolitik der Türkei gegenüber religiösen, ethnischen und kulturellen Gemeinschaften hat sich bis heute nichts geändert.

So verschweigt der türkische Staat bis heute der Weltöffentlichkeit die Existenz der ca. 20 Millionen Alevitinnen und Aleviten und bezeichnet die gesamte Bevölkerung als türkisch und zu 99 % islamisch.

In der Türkei ist das Alevitentum als Religionsgemeinschaft nicht anerkannt.

Cem-Häuser sind als Gebetsstätten der alevitischen Gemeinschaft immer noch nicht anerkannt; alevitische Orden sind fest in staatlicher Hand.

Die Türkei ist immer noch geprägt von der Ideologie der türkisch-islamischen Synthese, die auf der Auffassung beruht, „ein Volk – eine Religion“.

Und so treibt sie die Assimilation u.a. von alevitischen, kurdischen und christlichen Gemeinschaften fort und akzeptiert bis heute nicht, dass sie ein kulturell und national heterogenes Land ist.

Trotz eines rechtmäßigen Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte müssen alevitische Kinder weiterhin am Zwangsreligionsunterricht teilnehmen. Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Thomas Hammerberg, hat die Türkei vor einigen Monaten zu mehr Einsatz für die Religionsfreiheit aufgefordert. In einem in Strasbourg veröffentlichen Brief an die türkische Regierung äußert sich Hammerberg vor allem besorgt über die Situation der alevitischen Gemeinschaft in der Türkei.

Zudem werden Angehörige der alevitischen Gemeinschaft von der staatlichen Religionsbehörde, dem Diyanet – in Deutschland als DITIB bekannt – die ausschließlich den sunnitischen Islam vertritt, bevormundet und vereinnahmt. Die Diyanet verfolgt eine offensive Vereinnahmungs- und Assimilationspolitik gegenüber Alevitinnen und Aleviten in der Türkei. Sie baut z.B. Moscheen in alevitischen Dörfern und Siedlungsgebieten und sendet ihre Imame zur Missionierung.

Während der türkische Ministerpräsident keine Gelegenheit auslässt, seine Landsleute vor einer möglichen Assimilation und Vereinnahmung durch die Staaten, in der sie leben, zu warnen, verharrt seine eigene Politik mit zunehmender Tendenz in einer menschenrechtsverletzenden Haltung gegenüber religiösen, kulturellen und ethnischen Gemeinschaften.

Diese bewusste politisch-ideologische Strategie der Türkei ist der Nährboden für rechtsnationalistisches und islamistisches Potential nicht nur in der Türkei selbst, sondern auch hierzulande. Der starke Einfluss aus der Türkei auf viele in Deutschland lebende Migrantinnen und Migranten führt seit Jahren zu einem Erstarken nationalistisch-islamistisch gerierender Kräfte. Dies konzentriert sich auf einen idealistischen Nationalismus, der stark von einem Überlegenheitsgefühl „der Türken“ ausgeht und ethnische, religiöse und kulturelle Gemeinschaften als unterprivilegiert darstellt.

Während in Deutschland Rechtsextremismus und Rassismus öffentlich verachtet werden, sind diese in der türkischen Gesellschaft fest eingebettet.

Auch in Deutschland unterliegen Alevitinnen und Aleviten dem Assimilationsdruck der türkischen Regierung, die u.a. systematisch religiöses Personal alevitischen Glaubens nach Deutschland entsendet, um ihre Indoktrinierungspolitik auch hier im Lande fortzusetzen.

Daher fordern sowohl die Alevitische Union Europa als auch die AABF die

  • Abschaffung der türkischen Behörde für Religionsangelegenheiten
  • Abschaffung des Zwangsreligionsunterrichts
  • Anerkennung der alevitischen Cem Häuser als religiöse Kultstätten
  • Umwandlung des Madımak Hotels in Sivas in ein Museum
  • sofortige Einstellung von Moscheebaumaßnahmen in alevitischen Dörfern
  • Rückübereignung alevitischer Ordensstätten an die alevitische Bevölkerung.

Gegenseitige Achtung, Akzeptanz und Toleranz sind ebenso Grundlage des gemeinsamen Handels wie die Achtung der Menschenrechte, die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und die Achtung des religiösen Bekenntnisses des jeweils Anderen. Insbesondere die Gleichbehandlung der Religionen und Weltanschauungen sowie aller Ethnien sind essentielle Grundpfeiler jeder Demokratie.

Ein Land wie die Türkei, das von Deutschland die Erinnerung an Mölln und Solingen stets einfordert, jedoch die Erinnerung an eigene Verbrechen an Angehörigen der alevitischen, armenischen Gemeinschaft usw. bis heute vehement verweigert, hat in der europäischen Wertegemeinschaft nichts verloren. Die Türkei widerspricht mit ihrer Politik den Grundwerten einer modernen und demokratischen Gesellschaft. Denn im Gegensatz zu autoritären Regierungssystemen erkennen wahrhafte Demokratien den gleichen Wert und die gleichen Rechte aller Bürgerinnen und Bürger an.

Die AABF engagiert sich für den Schutz dieser Gemeinschaften und wirbt politisch und in der Öffentlichkeit für deren Rechte. Sie fordert den Ministerpräsidenten der Republik Türkei und seine Regierung auf, die Assimilation religiöser, kultureller und ethnischer Gemeinschaften in der Türkei sofort zu beenden und ihnen endlich die gleichen Rechte und Freiheiten zu gewähren wie der übrigen türkischen Bevölkerung auch.