Im Nachgang des 1. bundesweiten Bildungskongresses der Alevitischen Gemeinde Deutschland (nachfolgend AABF), der am 27.11.2010 in Köln zum Thema „Alevitischer Religionsunterricht“ stattfand, erklärt der Bundesvorsitzender Turgut Öker:
„Die Bundesrepublik braucht mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund. Wir als Alevitische Gemeinde Deutschland wollen unseren Beitrag zur qualifizierten Aus- und Fortbildung dieser Lehrpersonen leisten. Der erste Bildungskongress war ein voller Erfolg.“
Zum Bildungskongress kamen auf Einladung der AABF Lehramtsanwärterinnen und –anwärter sowie bereits voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen. Die rund 150 Teilnehmenden informierten sich über den gegenwärtigen Stand des Alevitischen Religionsunterrichts und tauschten sich aus. Der Alevitische Religionsunterricht wird momentan in 7 Bundesländern (NRW, Berlin, Niedersachsen, Saarland, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen) angeboten, bis auf Berlin sogar als ordentliches Schulfach.
Wenngleich die AABF seit 2005 als Religionsgemeinschaft gemäß Art. 7 Abs. 3 GG in Deutschland anerkannt ist und mittlerweile in 7 Bundesländern der alevitische Religionsunterricht als reguläres Unterrichtsfach in deutscher Sprache gelehrt wird, gibt es noch keinen eigenständigen Lehrstuhl für die alevitische Lehre.
Daher konstatiert der 2. Bundesvorsitzender – Ali Ertan Toprak:
„Somit sind wir heute an einem Punkt angelangt, der uns im positiven Sinne zwingt, zu handeln und dem Lehrangebot an deutschen Hochschulen einen weiteren, gewichtigen Baustein hinzuzufügen: Einen Lehrstuhl für die alevitische Lehre – und zwar unabhängig von einem Lehrstuhl für islamische Theologie.“
Unter den Gästen des Bildungskongresses waren neben dem Staatssekretär des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, Prof. Klaus Schäfer, auch die Abgeordneten Mehmet Kılıç (MdB Grüne/Bündnis 90), Serdar Yüksel (MdL NRW, SPD), Arif Ünal (MdL NRW, Die Grünen/Bündnis 90), Michael Solf (MdL NRW, CDU), Gunhild Böth (MdL NRW, Die Linken) und aus Bayern Eva Gottstein (Freie Wähler) sowie GEW-Vertreterinnen und Vertreter des Netzwerks der Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund.
Der Bildungsbeauftragte der AABF – Ismail Kaplan – forderte von den anwesenden Politikerinnen und Politikern, dass die staatlichen Maßnahmen zur dauerhaften Unterstützung des Alevitischen Religionsunterrichts weiter ausgebaut werden.
„Der Alevitische Religionsunterricht muss in allen Schulformen erteilt werden. Wir erwarten von den Landesregierungen, dass sie den zweiten Schritt des Ausbaus begleiten und entsprechende Strukturen schaffen“
unterstreicht Kaplan nach dem Bildungskongress.
Insbesondere die Tatsache, dass Lehrerinnen und Lehrer, die derzeit den Alevitischen Religionsunterricht erteilen, auf das Wohlwollen der Schulleitungen angewiesen sind, ist kein akzeptabler Zustand. Den Mangel an Lehrkräften muss der Staat mit der Errichtung von Lehrstühlen für den Alevitischen Religionsunterricht begegnen.
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