Offener Brief an den Initiator des Steiger Awards – Sascha Hellen

Der Steiger Award darf nicht an Recep Tayyip Erdoğan verliehen werden!

Recep Tayyip Erdoğan ist dem Steiger Award nicht würdig!

Der Steiger Award in der Kategorie Europa, welcher für Toleranz und Menschenrechte steht, soll an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Samstag, den 17. März 2012 in Bochum verliehen werden.

Der Steiger Award wird an Persönlichkeiten verliehen, welche durch ihr Tun und Handeln Toleranz und Menschenrechte in den Vordergrund stellen. Erdoğan wird diesen Kriterien nicht gerecht.

Ministerpräsident Erdogan verdient diesen Preis nicht. Es ist skandalös, dass ausgerechnet er für diesen Preis prämiert wurde.

Recep Tayyip Erdoğan steht nicht nur mit Aleviten, sondern insgesamt mit der Mehrheit der türkischen Gesellschaft im Konflikt. Für Andersdenkende, Kritiker und Oppositionelle gibt es keine Toleranz und Respekt. Aleviten, Kurden, Nicht-Muslime, Homosexuelle, Umweltschützer und Frauen gegenüber nimmt er eine antidemokratische und hasserfüllte Politik ein. Die juristischen, ökonomischen und politischen Rechte von verschiedenen Gemeinschaften werden öffentlich angegriffen, Erdoğan versucht die Türkei politisch in eine islamistische Hegemonie heranzuführen.

Sehr geehrter Sascha Hellen,

Sie übergeben den Preis an jemanden,

  • der ein Schreckensregime in der Türkei erschaffen hat;
  • der Kriminelle politisch freisprechen lässt: Am 2. Juli 1993 wurden 35 Menschen im Madimak Hotel in Sivas bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Anwälte der Täter dieses Massakers sind jetzt Abgeordnete im türkischen Parlament. Am 13. März 2012 ließ das Strafgericht in Ankara die Täter aufgrund von Verjährung frei;
  • der am 13. März 2012 10.000 Menschen, welche vor dem Justizplatz friedlich protestierten, mit Gas, Schlagstöcken und Pistolen angreifen lässt;
  • für den nicht Menschenrechte, sondern Diskriminierung und Hass im Vordergrund stehen;
  • für den Tod von 34 Kindern in Uludere verantwortlich ist;
  • der den sunnitisch-islamischen Religionsunterricht für obligatorisch erklärt hat und somit Kinder und Jugendliche mit anderen Glaubensrichtungen systematisch assimiliert. Ein Handeln gegen die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes;
  • der sich der Forderung der Aleviten auf Gleichberechtigung mit Hass und Intoleranz nähert;
  • der das Kurden-Problem nicht demokratisch und politisch zu lösen versucht, sondern eine Politik der Gewalt anwendet;
  • der Hrant Dinks Mörder nicht verurteilt, sondern befördert;
  • der im Widerspruch zu europäischen Norm- und Wertvorstellungen steht;
  • der eine strafrechtliche Klage (500 Jahre Gefängnisstrafe) für Schüler und Studenten fordert, welche ein kostenloses, demokratisches und freies Studium fordern;
  • der die meisten Journalisten im Gefängnis unschuldig sitzen lässt;
  • der Gewerkschaftsrechte und Vereinigungsfreiheiten begrenzt;

Sehr geehrter Sascha Hellen,

Sie sind dabei, dem türkischen Ministerpräsidenten einen Preis zu vergeben, welcher in der Türkei im Krieg mit der Pressefreiheit, der Meinungsfreiheit und den Grundrechten steht.

Wenn Sie wirklich Persönlichkeiten ehren möchten, welche für Toleranz und Menschenrechte einstehen, dann sollten Sie den Preis an Menschen übergeben, die im Madimak Hotel Sivas ihre Kinder und Ehepartner verloren haben, Hrant Dinks Ehefrau Rakel Dink, den Kindern in Uludere und an Journalisten, welche für die Presse- und Redefreiheit in der Türkei unschuldig im Gefängnis sitzen.

Es ist Ihre Entscheidung!

Sie sollten den Steiger Award an Menschen überreichen, welche die dafür notwendigen Kriterien erfüllen oder Sie sollten den Preis umbenennen in: „Gegner der Demokratie, der Gleichberechtigung und Intoleranz – oder widerrufen Sie den Preis an den Ministerpräsidenten Erdoğan.

 

gez.Turan Eser