Alevitische Geschichte

1281
Sarı Saltuk wird von Hadschi Bektasch-i Veli beauftragt, das Alevitentum nach Europa zu tragen, worauf dieser dann in den Balkan geht. Heute leben viele Bektaschiten in den Balkenländern.

1295
Hadschi Bektasch Veli stirbt. Er ist der halblegendäre geistige Führer und Heiliger der Alevitinnen und Aleviten. In dem nach ihm benannten Orden, in dessen Räumlichkeiten heute ein Museum eingerichtet ist, welches jedoch noch immer als Wallfahrtsstätte fungiert, finden vom 16.- 18. August eines jeden Jahres Feierlichkeiten zu seiner Ehren statt.

1301
Scheich Safi ad-Din (gest.1334) gründet in Ardabil den nach ihm benannten Safaviden-Orden. Einer seiner Nachfahren, İsmail, soll später das Reich der Safaviden errichten.


1307

Barak Baba stirbt.

1320/21
Yunus Emre, einer der größten türkischen Dichter stirbt. Zentrales Thema seiner Gedichte ist die sufistische Philosophie, die auf den Neuplatonismus zurückgeht. Nachdem er – wie er in seinen Gedichten angibt – „40 Jahre lang“ im Dienst eines Mystikers namens Taptuk Emre gestanden hat, wird er von seinem Dienst entbunden und führt fortan das Leben eines Derwischs. Yunus Emre zählt zu den sieben Heiligen Dichtern der Alevitinnen und Aleviten.


1397
Kaygusuz Abdal, ein Anhänger der bektaschiten Lehre, zieht nach seinem Dienst bei seinem Meister Abdal Musa nach Ägypten, um dort ein Kloster zu gründen, welches in kurzer Zeit zur Heimstätte von Not leidenden und kranken Menschen wird.

1398
Tod des Begründers der Hurufi-Lehre Fazlullah Asterabadis. Die Anhänger dieser Lehre sehen in den einzelnen Buchstaben des arabischen Alphabets (huruf ist der Plural des arabischen Wortes harf „Buchstabe“) – und in den menschlichen Gesichtszügen – eine mystische Bedeutung verborgen, die es zu entdecken gilt. Die Ideen Fazlullahs wurden als ketzerisch angesehen und führten zu seiner Hinrichtung. Seine Lehre jedoch hat einen nachhaltigen Eindruck bei einigen türkischen Dichtern hinterlassen. Fazlullah Asterabadi hinterlässt ein berühmtes Werk, die „Cavidanname“.

1417
Seyyid Nesimi, enger Vertraute von Fazlullah Hurufi und bekanntester Huruf-Dichter, wird in Aleppo (Syrien) zu Tode geschunden, da seine sufistischen Ansichten den Regeln der Scharia widersprechen. Seyyid Nesimi trug mit seinen Gedichten, die er in Aserbaidschanisch-Türkisch verfasste, in erheblichem Maße zur Verbreitung des hurufischen Glaubens bei. Er gehört ebenfalls zu den sieben Heiligen Dichtern der Alevitinnen und Aleviten.

1420
Bewegung des Scheich Bedreddin. Gegen die Unterdrückung durch den offiziellen Staats-Sunnitentum und die Ausbeutung durch die Grundherren finden sich Mitglieder verschiedenster Sufi-Bruderschaften sowie Bauern aus allen Teilen der damaligen Gesellschaft, die im Gebiet der heutigen Provinzstadt Aydın und Umgebung lebten, unter der Führung Scheich Bedreddins, eines ehemaligen orthodoxen Theologen, zusammen und erheben sich gegen die Osmanen. Die pantheistische Beredsamkeit Scheich Bedreddins beseelt die Massen. Börklüce Mustafa und Torlak Kemal, enge Vertraute Bedreddins, schließen sich ihm an. Eine ihrer Hauptforderungen ist die Einführung von Gemeineigentum, um der immer größer werdenden Armut Herr zu werden. Die Aufständischen werden von der vereinten rumelisch- anatolischen Heeresmacht der Osmanen bei Karaburun besiegt. Ihre Anführer werden nacheinander gefangen genommen und schließlich hingerichtet.

1428
Balım Sultan wird geboren. Er organisiert durch eine „Erkanname“ (Schrift zu geistlichen trägerinternen Angelegenheiten) das Bektaschitentum neu.

1495
Fuzuli, einer der sieben Heiligen Dichter der Alevitinnen und Aleviten wird in Hille geboren.

1499
Sultan Beyazıt II. tritt im Einvernehmen mit Balım Sultan, dem Nachfolger Hadschi Bektasch Velis als Ordensvorsteher zum Bektaschitentum über.

1501
Der erst 14-jährige Safavide Schah İsmail wird zum Schah von Persien gekrönt. Schon am Vorabend der Thronbesteigung lässt er das zwölferschiitische Glaubensbekenntnis als Staatsreligion ausrufen. İsmail wird von Alevitinnen und Aleviten u.a. als Dichter verehrt, der unter dem Pseudonym Hatayi in aserbaidschanisch-türkischer Sprache dichtete.

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